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SachsenTip
  Die Bergstadt Freiberg

Stand: 30. Oktober 2000

Die alte Bergstadt Freiberg hat zahlreiche historische und kulturhistorische Sehenswürdigkeiten zu bieten, die zum Teil bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen. So entstand in dieser Zeit die Bauernsiedlung Christiansdorf mit der alten Jakobikirche. Silberfunde lockten dann niedersächsische Bergleute an, und das Nikolaiviertel etablierte sich als Handwerkerniederlassung. Die Verleihung des Stadtrechts erfolgte dann um 1186. Etwa 50 Jahre später wurden drei Klöster errichtet. Das mittelalterliche Freiberg hatte ca. 5000 Einwohner und war damit eine der größten Städte im meißnisch-sächsischen Raum. Der reichliche Silbersegen hatte zur Folge, daß die Stadt schon bald ein Zentrum von Baukunst, Wissenschaft und Geistesleben wurde. Im Jahre 1515 etablierte sich in Freiberg das erste humanistische Gymnasium auf deutschem Boden. Bedeutende Leute kamen in die Stadt. Der Chemnitzer Bürgermeister Georgius Agricola schuf wesentliche Voraussetzungen für die Gründung der Bergakademie, die sich allerdings erst 210 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1765 vollzog und bis heute weltweit einen guten Ruf genießt. Mit der Bergakademie verbinden sich zahlreiche Namen von großen Wissenschaftspersönlichkeiten wie Alexander von Humboldt, Novalis und Clemens Winkler.

Wer heute Freiberg besucht, sollte einen längeren Aufenthalt einplanen, denn die Stadt hat zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu bieten. Im spätmittelalterlichen Stadtkern präsentieren sich Bürgerhäuser, die im 16. Jahrhundert und früher errichtet wurden. Stilelemente aus Spätgotik und Renaissance wie Rundbogenportale, hohe Traudächer und Erker aus dem 17. Jahrhundert sind Blickfänge.

Eines der beeindruckendsten Bauwerke in Freiberg ist der Dom "Unser Lieben Frauen", gegründet als Pfarrkirche durch Markgraf Otto von Meißen im 12. Jahrhundert. Während des Stadtbrandes 1484 wurde er vernichtet, doch bis 1502 als spätgotische Hallenkirche wieder neu errichtet, deren Ausstattung bemerkenswert ist. So beherbergt die Mitte des Raumes lebendig gewordenen Stein, die vom Meister Hans Witten aus Köln geschaffene Tulpenkanzel. Dargestellt ist die Legende vom Engel, der dem Bergmann erschien und ihm den wunderbaren Schatzbaum wies. Am Fuße der Kanzel sitzt Daniel der Schutzpatron des Bergbaus, von Löwen umgeben. Auch die zweite Kanzel, ein Werk deutscher Renaissancekunst, demonstriert ihre Herkunft aus dem Bergbau. Ein weiterer Blickfang ist die große Silbermannorgel, vollendet im Jahre 1714, die zu den fünf berühmtesten Instrumenten der Welt zählt.

Eine kleine Tür führt nach außen, in einen Vorbau, direkt zur Goldenen Pforte. Diese gilt als das schönste, reichste und älteste Gewändeportal Deutschlands und wurde etwa um 1230 als Eingangsportal der romanischen Marienkirche - Vorgängerbau der jetzigen spätgotischen Hallenkirche - geschaffen. Ursprünglich stand sie an der Westseite der Kirche zwischen ihren Türmen.

Die Goldene Pforte im Jahre 1990

Nach der Zerstörung der romanischen Pfeilerbasilika während des Stadtbrandes im Jahre 1484 wurde das Portal an die Südostseite versetzt, um so durch den kapellenartigen Anbau des Kreuzganges geschützt zu sein. Im 19. Jahrhundert wurde dieser Abbau abgebrochen, so daß die "Goldene Pforte" etwa 40 Jahre lang frei stand. Im Jahre 1902/03 wurde ein Schutzbau im Jugendstil errichtet, der dazu diente, das Kleinod zu erhalten.

Die figürlichen Darstellungen in den einzelnen Bogenläufen, den sogenannten Archivolten, können als "Steinerne Bilderbibel" aufgefaßt werden. Hier war ein genialer Bildhauer am Werke, dem einfach Großes gelang. Dem Zugang zum Gotteshaus kam in jener Zeit eine ganz besondere Bedeutung zu. So verkörperten die romanischen Skulpturen die Lehren der christlichen Religion für die Gläubigen, die oft des Lesens und Schreibens unkundig waren. Allerdings wirken die Figuren der biblischen Geschichte wie lebendige Menschen. Vorbilder der Goldenen Pforte waren die Portalgestaltungen der frühgotischen französischen Kathedralen von Chartres und Laon. Der Meister des Kunstwerkes, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Landsmann, der aus Niedersachsen eingewanderten Bergleute, hatte seine Ausbildung beim Meister der Halberstädter Chorschranken erhalten. Später arbeitete er in Frankreich. Diese Tatsache erklärt, warum an der Goldenen Pforte Bildmotive erschienen, die der französischen Frühgotik entlehnt sind.

Besucher haben die Möglichkeit, täglich um 10, 11, 14 und 16 Uhr an Domführungen teilzunehmen. Zur stillen Betrachtung ist das Gotteshaus täglich von 11.45 bis 12 Uhr und von 16.45 bis 17 Uhr geöffnet.

Sehenswert sind auch die Nikolai- und die Petrikirche. Die neugotische Jokobikirche birgt ebenfalls eine Silbermann-Orgel. Auch Bergbauzeugnisse sind in Freiberg reichlich vorhanden. Neben dem Stadt- und Bergbaumuseum beherbergt die Stadt auch die Grube "Alte Elisabeth" und den einstigen Abrahamsschacht.

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