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SachsenTip
  Oschatz

Stand: 30. Oktober 2000

Das östlich von Leipzig gelegene Oschatz hat für den Besucher so manches zu bieten: historische Bauten, zerfallene Schlösser und einen Ausblick von ganz weit oben über die Dächer der Stadt. Seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1238 erlebte Oschatz Höhen und Tiefen. Kriege, Hungersnöte, Epedemien und Brände hinterließen Jahre der Armut und des Leids. Doch die günstige Lage der Stadt an der Hohen Straße förderte den Fernhandel und die Herausbildung des Handwerks. Kaufleute besiedelten die Region und verhalfen ihr zu einem bescheidenen Wohlstand. Vor mehr als 600 Jahren erhielt Oschatz bereits das Privileg, Jahrmärkte abzuhalten. Auch die Reformation machte vor Oschatz nicht halt. An diese Zeit erinnern Briefe von Luther, Melanchton und Spalatin, die heute noch im Ratsarchiv aufbewahrt werden.

Der guterhaltene Stadtkern mit schönen Bürgerhäusern im Renaissancestil, dem im Jahre 1589 geschaffenen Marktbrunnen und dem Rathaus, das 1842 nach Plänen des berühmten Dresdner Baumeisters Gottfried Semper wieder errichtet wurde, lädt zum Verweilen ein. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch die St. Aegidienkirche mit ihren alles überragenden Doppeltürmen. Nach dem großen Stadtbrand wurde sie wieder nach Plänen des Nürnberger Architekten Prof. Heydeloff im neogotischen Stil aufgebaut. Die Turmspitzen brachten ihr auch den Ruf ein, der kleine Bruder des Kölner Doms zu sein.

Im Inneren der Kirche dominiert die wundervolle Glasmalerei des Altars und der Altarfenster. Die Entwürfe stammen von Prof. Hübner, dem Direktor der Dresdner Gemäldegalerie, und die Ausführung erfolgte in der Meißner Prozellanmanufaktur. Bedingt durch die Wende konnte die Kirche mit Hilfe von verschiedenen Ämtern und Institutionen vor dem drohenden Verfall gerettet werden. Spontan bildete sich 1991 auch der Verein "Rettet St. Aegidien e.V.", der unter anderem auch eine Spendenaktion ins Leben rief. Es kam bereits eine enorme Summe an Geldern zusammen, doch jährlich müssen weiterhin etwa 1 Millionen Mark aufgebracht werden, um diesen gewaltigen Bau nicht ins Stocken zu bringen.

Trotz der Baumaßnahmen ist eine Besichtigung der Kirche möglich, sogar mit dem Erlebnis der Turmbesteigung. Wer die immerhin 199 Stufen bewältigt hat, dem wird nicht nur der weite Blick über Stadt und Land zuteil, sondern er hat auch Gelegenheit, die einstige Türmerwohnung zu besichtigen, die - nach umfangreicher Rekonstruktion - seit 1998 ihre Pforten geöffnet hält. Noch bis zum Jahre 1970 wohnte hier noch eine Türmerfamilie mit 14 Kindern. Ihnen oblag es, Tag und Nacht Feuerwache zu halten, die Glocken zu läuten und solange, bis die Rathausuhr ein eigenes Schlagwerk erhielt, jeweils die vollen Stunden anzuschlagen. Heute sind Kirche und Turm montags bis freitags jeweils von 9.30 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 17 Uhr.

Oschatz hat ein weiteres sakrales Kunstwerk zu bieten, und zwar die mittelalterliche Klosterkirche, die auch das einzig erhalten gebliebene Bauwerk des ehemaligen Franziskanerklosters ist. Gegenüber befindet sich die Elisabeth-Kapelle mit interessanter Freskenmalerei. Eine Besichtigung wert sind auch die Reste der alten Stadtmauer mit Wehrgang und zwei Wachtürmen, Amts- und Ratsfronfeste sowie das Oschatzer Museum. So dokumentieren eine Folterkammer einschließlich Folterwerkzeuge aus dem Jahre 1574 die Gerichtsbarkeit jener Zeit. Besonders sehenswert ist auch die in Sachsen einmalige Waagensammlung mit 100 Exponaten.

Als weitere Attraktionen währen die kleine Schmalspurdampfeisenbahn, der "Wilde Robert", zu nennen und der Stadtpark, in dem sich ein kleiner Tiergarten befindet. Vor den Toren von Oschatz empfiehlt sich ein Abstecher in den Stadtwald, wo sich die Ruine des Wüsten Schlosses Osterland befindet. Das nie ganz fertiggestellte romanische kaiserliche Bauwerk wurde um 1210 als Jagdschloß der Markgrafen von Meißen und der Ostmark mit dem Bauherrn Markgraf Dietrich errichtet. Bereits im Jahre 1379 wurde es als wüstes Steinhaus genannt. Heute geben einige Tafeln Auskunft zur Geschichte des Schlosses, in dessen Schatten sich es besonders an heißen Sommertagen gut verweilen läßt.

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