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SachsenTip
  Im sächsischen Schildau

Stand: 30. Oktober 2000

Wer kennt sie nicht, die Streiche der Schildbürger, welche erstmalig im Jahre 1598 im "Schildbürgerbuch" gesammelt erschienen. Im Laufe der Jahrhunderte begleiteten sie Generationen von Lesern, und bis zum heutigen Tag hat das Buch nichts von seiner Popularität eingebüßt. Daß sich aber die Wurzeln der Schildbürger im Sächsischen befinden, ist sicher nicht allgemein bekannt. Willkommen...
Blick zum Rathaus Wer also auf den Spuren dieses Völkchens wandeln möchte, der ist im Landkreis Torgau-Oschatz, konkret in der Gneisenaustadt Schildau an der richtigen Adresse. Hier wurde bereits vor über 400 Jahren literarische Geschichte geschrieben, wenn auch auf etwas ungewöhnliche Art und Weise.
Die Schildbürger waren nämlich ganz und gar nicht als Narren bekannt, sondern als weise Ratgeber an den umliegenden Höfen der Fürsten und Grafen. Als ihnen jedoch diese Berühmtheit zuviel wurde, faßten sie den Entschluß - als eine Art Auflehnung gegen den Fürstendienst - sich künftig wie Narren zu benehmen. Und schließlich wurde ihnen diese Narretei zur Gewohnheit. Dieser Kuriosität sind nun die Geschichtsforscher nachgegangen, und sie wurden fündig. Hinter dem Namen des angeblichen Verfassers des Ur-"Schildbürgerbuches" Conradus Agyrta von Bellemont verbarg sich der 1543 geborene Hofrichter und Amtshauptmann zu Sitzenroda Johann Friedrich von Schönberg. Er war ein hoher Herr am kursächsischen Hofe und hatte seinen Ärger mit der Selbstüberschätzung der Schildaer Bürger, die über zahlreiche Sitze und Stimmen im Sächsischen Landtag verfügten. Statue von Neidhardt von Gneisenau
Kurzerhand faßte der weitgereiste Herr eine Reihe alter Schwänke und Anekdoten zusammen, und hängte sie den Schildaern an. Das sollte der politischen Sicherung der Adelsherrschaft gegen die aufbegehrenden Bürger dienen. Die Satire war literarisch so gelungen und infolge der durchgehenden Handlung war es eine Art Vorläufer der ersten deutschen Romane, daß dieses Buch ein großer Erfolg wurde.
Den Schildauer Bürgern gefiel das aber überhaupt nicht. Sie verkrochen sich vor dem unerwünschten Ruhm in die Illegalität und sträubten sich gegen allen möglichen Fortschritt.
So verhinderten sie beispielsweise, daß in Schildau eine der ersten Eisenbahnstrecken gebaut wurde und daß sich nennenswerte Industrie ansiedeln konnte. Das ist aber längst Vergangenheit, und heute sind die Schildauer Bürger stolz auf ihre berühmten Vorfahren. Schließlich tragen diese noch indirekt mit dazu bei, daß sich aus dem einstmals so verschlafenen Ackerbürgerstädtchen immer mehr eine Sehenswürdigkeit in punkto Fremdenverkehr entwickelt. "Wie die Schildbürger Licht ins Rathaus tragen"
Heute ist Schildau reich an Sehenswürdigkeiten, die an die berühmten Vorfahren erinnern. Dazu gehört neben dem "Museum der Schildbürger" auch der "Schildbürgerwanderweg" mit zwölf der bekanntesten Schildbürgergeschichten auf Wappentafeln. Solche Streiche wie beispielsweise ein Schildbürger mit dem Mühlstein am Halse weglief oder wie die Schildbürger einen Krebs zum Tode verurteilten, sind bildlich dargestellt. Ein Erlebnis ist auch die Besichtigung der Stadtkirche St. Marien, dem ältesten Bauwerk Schildaus. Hier ist die Besteigung des Turmes möglich. Auf dem Kirchgelände wächst übrigens der älteste Maulbeerbaum Deutschlands. Selbstverständlich wird in Schildau auch der Tatsache gedacht, daß hier der spätere Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau geboren wurde. Eine reizvolle Wanderunge führt übrigens entlang des Naturlehrpfades zum Schildbergturm
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