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SachsenTip
  Schottische Impressionen

Stand: 25. Oktober 2000

Mit dem Auto durch Schottland...

Schottland ist eine Reise wert. Vor allem dann, wenn man das Land so ganz privat zu erforschen sucht. (Daß dabei aber als wertvolles Hilfsmittel die Leistungen von Reisebüros genutzt werden können, ist keine Frage). Die grobe Reiseroute stand fest, und es lag nun ganz an uns, was wir daraus machen würden. Nach zweieinhalbstündigem Flug hatte die Erde uns wieder. Es blieb kaum Zeit für eine Verschnaufpause.

Schloß Stuart

Am Flughafen erwartete uns ein fast fabrikneuer Vauxhall Corsa. Sein Tachostand - 1.600 englische Meilen. Selbstverständlich mit Rechtslenkung, aber ohne Airbags. Ansonsten völlig mit unserem Opel Corsa identisch. Und ohne jede Fahrpraxis im Linksverkehr ging es quer durch die etwa eine halbe Million zählende Hauptstadt Edinburgh. Verständlich, daß wir für die Schönheiten dieser Metropole kaum ein Auge hatten, es hieß sich in erster Linie auf den Verkehr zu konzentrieren, der rücksichtslos um uns herum brauste. Es war unmöglich, das Quartier, an dem wir am ersten Abend unsere müden Häupter betten sollten, zu finden, zumal die Straße nicht einmal im Stadtplan eingezeichnet war. Die Rettung kam in Person eines Taxifahrers, der schließlich unser Lotse wurde. Die erste Nacht war gerettet.

Blick zum McCalig's Foly vom Städtchen Oban Eine Privatreise nach Schottland sollte allerdings nur derjenige unternehmen, der auch die englische Sprache wenigstens etwas beherrscht, sonst ist er dort verloren. Wir begegneten keinem deutschsprechenden Schotten. Ein Erlebnis besonderer Art war auch in Edinburgh der Besuch einer Pub.

Hier gab es Gelegenheit, verschiedene Biere zu probieren und gefüllte Kartoffeln zu essen, die eine schottische Spezialität sind. Mit Schinken, Pickles oder Käse verfeinert, ersetzen sie das berühmte Dinner mit mehreren Gängen nach 19 Uhr, das nicht nur ziemlich teuer ist, sondern auch reichlich Kalorien aufweist. Zu speisen versteht man allerdings in Schottland. Von Edinburgh aus ging es dann über Glasgow bis zur Westküste in das Argyllgebiet. Ein Erlebnis war während dieser Tour die Einkehr in einem Gasthaus am Loch Fyne. Zahlreiche dieser Lochs geben der schottischen Region einen unverwechselbaren Charakter. Unser nächstes Ziel hieß Oban, eine kleine Hafenstadt. Von hier aus führen zahlreiche Schiffsrouten in die schottische Inselwelt. Sehenswert sind hier auch die Glasfabrik und die "West Highland Malt Whisky"-Destillerie. Wieder haben wir Probleme, unser Quartier zu finden. Und wieder bekommen wir Hilfe von einem Einheimischen. Er setzt sich einfach zu uns ins Auto und lotst uns sicher durch die engen Straßen. Eine Mischung zwischen Gasthaus und Privatpension erwartet uns. Obligatorisch sind übrigens in jeder Art von Unterkunft ein Wasserkocher und sämtliche Zutaten für die Bereitung von Tee und Kaffee. Und zum schottischen Frühstück gehören überall Schinken, ein Setzei, eine Bratwurst sowie gebackene Champignons und eine halbe Tomate.

Dazu wird Toast gereicht. Von Oban aus geht es dann weiter durch das berühmte Tal Glenocoe, vorbei am Ben Nevis, dem höchsten Berg Schottlands.

Ford George - aktive Kaserne und Besuchermagnet

Überall möchten wir rasten, um die reizvolle, noch völlig intakte Natur zu genießen, doch unser Weg ist noch weit. Das heutige Ziel heißt: Insel Skye, eine Insel der "Inneren Hybriden". Leider kommen wir einige Monate zu spät, um die moderne Auslegerbrücke, die erst vor kurzem für den Verkehr freigegeben wurde, kostenlos zu befahren. Das war nur am Tag der Eröffnungsfeier möglich. Uns kostet der Zutritt auf die Insel Skye 5,20 Pfund, die wir beim Verlassen derselben nochmals berappen müssen. Unsere Fahrt nach Uig, im Nordwesten von Skye gelegen, verläuft ziemlich langsam. Immer wieder kreuzen Schafe die Fahrbahn, welche das Recht auf ihr Inseldasein behaupten.

Viele schottische Schlösser fungieren heute hervorragend als Besucherhotels. Doch schließlich landen wir wohlbehalten und ohne Kratzer am geliehenen Auto im einzigen Hotel von Uig, das sich in Größe und Baustil der Landschaft anpaßt. Der Tourist wird bei seiner Fahrt durch das Highland vergeblich große Hotels suchen. Diese gibt es hier nicht. Dafür laden zahllose Schilder mit "Bod and Breakfast" an den Landhäusern zu Übernachtung mit Frühstück ein.
Die zwei Tage, welche wir in Uig verbringen, gestatten uns einige Touren auf der Insel, die mit ihren Felsküsten, Sandstränden, Schlössern, Hafenstädtchen und einer gastfreundlichen Bevölkerung so richtig zum Ausspannen einlädt. Gelegentlicher Regen, der in Schottland an der Tagesordnung ist, stört uns nicht. Unsere original englischen Wachsjacken, die wir vor der Reise noch in Deutschland kauften, schützen uns gut. Allerdings hätten wir sie hier um die Hälfte billiger bekommen. Doch das nur ganz nebenbei. Nirgends erlebt man auf der Insel Streß, Hektik und verbissen dreinblickende Menschen. Wir sind in einer Oase der Ruhe und Entspanntheit. Beeindruckend ist auch der Besuch von Dunvegan Castle, einem der etwa 1.200 Schlösser Schottlands, das sich in einem ausgezeichneten Zustand befindet. Übrigens werden sämtliche Schlösser des Landes sinnvoll genutzt, teilweise als museale Einrichtungen, als Wohnstätten und als Hotels. Sie sind entweder im Privatbesitz oder verpachtet. Ziemlich hohe Eintrittspreise, im Durchschnitt etwa 5 Pfund, gestatten die regelmäßige Instandhaltung. Mit etwas Wehmut denke ich an Schlösser in Sachsen, die infolge von Geldmangel immer mehr verkommen. Diese Probleme scheinen die Schotten nicht zu kennen. Leider müssen wir die gastfreundliche Insel schon bald wieder verlassen.

Weiter geht es mit einer kurzen Stippvisite des Wasserschlosses Eilean Donan Castle in Richtung Inverness, unserem nächsten Reiseziel. Doch vorher erwartet uns noch der Anziehungspunkt für viele Urlauber, Loch Ness, in dem seit vielen Jahren das liebenswerte Ungeheuer Nessie mit oder ohne Familie, darüber streiten bis heute die Gelehrten, zu Hause ist.

Nessie im "Loch Ness"

Leider begegnen wir dem Original, wie zu erwarten, nicht. Doch zahllose Plüschnessies grinsen uns freundlich im Souvenirshop an und warten darauf, gekauft zu werden. In der Loch Ness Monster Exhibition kommen dann Interessierte der Meeresforschung auf ihre Kosten.

Das Durchfahren von Inverness, der Hauptstadt der Highland Region, bereitet wieder einige Schwierigkeiten, doch schließlich erreichen wir die vorletzte Station unserer Reise, ein kleines Gasthaus in Auldearn, einem Ort mit 200 Seelen und einem sehenswerten Friedhof. Von hier aus ist es nicht weit zum Maria Stuart Schloß, das mit der Geschichte der Stuarts eng verbunden ist. Während einer ausgezeichneten Führung, selbstverständlich in englischer Sprache, haben wir Gelegenheit zur Vervollständigung unserer Geschichtskenntnisse. Doch die nächste Sehenswürdigkeit wartet: Das Ford George, eine noch aktive Kaserne, erweist sich, großzügig angelegt, mit einem mehrstöckigen Army-Museum als ausgesprochener Besuchermagnet. Hier gibt es Altes und Neues zu erleben. Außerdem laden verwaiste Strände, denn zum Baden ist es viel zu kalt, zum Muschel- und Steinesuchen ein.

Boat of Garten - ein Muß für Freaks musealer Lokomotiven Doch auch diese zwei Tage vergehen viel zu schnell. Wieder heißt es Abschiednehmen und zur längsten Tour zu rüsten. Sie führt in Richtung Süden durch das Spey Valley. Leider bleibt keine Zeit für eine Fahrt mit der "Strathspey Railway", einer Dampfeisenbahn, die als besondere Attraktion mit einem mehrgängigen Lunch aufwartet.
Auch das Highland Wildgehege mit etwa 60 typischen Tierarten duldet keinen längeren Besuch. Wir müssen weiter in Richtung Edinburgh. Hier erwartet uns als krönender Abschluß der Reise die Übernachtung in einem mehrere Jahrhunderte alten Schloß. In einer traumhaft schönen Bibliothek genießen wir den wohl teuersten Martini unseres Lebens. 5o ml dieses edlen Getränkes inklusive Eis kosten die Kleinigkeit von 12 Pfund (etwa 30 DM). Das erfährt man aber erst am nächsten Morgen, wenn es ans Bezahlen geht. Lehrgeld muß man halt während jeder Reise zahlen. Schottland ist nicht zuletzt bekannt für seinen hervorragenden Whisky, der jedoch sehr teuer ist. Deshalb behalte ich es mir vor, eine Flasche dieses edlen Getränkes im Flugzeug zu kaufen. Da ist er wenigstens bezahlbar. Während des Fluges von Edinburgh nach Frankfurt lassen wir alle Eindrücke noch einmal Revue passieren. Wir wissen, daß war zwar unsere erste Reise, doch nicht unsere letzte. Schottland mit deiner traumhaften Landschaft und den sympathischen Menschen, wir kommen wieder!
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